Informationsblatt der Blauen Gebetsoase

in Sievernich

 Dezember 2010

 

Liebe Beterinnen und Beter in Sievernich!

Weihnachten ...

ist eigentlich eine sehr kritische Zeit.

Da wird uns in besonderer Weise drückend bewusst, was alles nicht in Ordnung ist in unserer Welt. Da spüren wir besonders schmerzlich, wenn Menschen in Feindschaft leben, da spüren Menschen schmerzlicher als sonst ihre Einsamkeit oder ihr Alleinsein, ihre Krankheit oder Armut, den Unfrieden oder die auch die Zerrissenheit der eigenen Familie.

Wenn wir das alles so bedenken, könnte durchaus die Frage aufkommen: Wie kann man dann noch unbeschwert Weihnachten feiern auf diesem bedrängenden Hintergrund unseres Lebens und unserer Welt? Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort:

Gott kommt nicht als Mensch in unsere Welt, weil sie so heilig und friedfertig ist. Gott wird ein Mensch unter denen, die in Finsternis und Todesschatten leben, die sich sehnen nach Licht und Frieden, nach menschlicher Wärme und Nähe. Gott wird ein Mensch, damit wir lernen, selber Menschen zu werden, die anderen zum Leben verhelfen.

Zu Weihnachten geht es letztlich sehr einfach zu: Der für uns unbegreifliche Gott wird ein Kind. Das haben wir uns nicht selber so ausgedacht, das hat Gott so für gut gehalten. Er hat darin den Weg gesehen, sich dem Menschen verständlich zu machen. Und noch viel mehr: Auf diesem Weg will Gott jedem Menschen ganz persönlich begegnen. Es gilt, was Angelus Silesius einst geschrieben hat: "Und wäre Jesus tausend Mal in Bethlehem geboren, aber nicht in dir, du wärst doch ewiglich verloren."

Weihnachten will nicht eine Ansammlung von frommen Liedern und Ritualen, von Gefühlen und Geschenken sein, sondern von Begegnung. Mensch und Gott finden zusammen. Der Mensch lernt sich selbst wieder besser kennen und schätzen, weil Gott zum Menschen kommt und ihn annimmt mit seinem ganzen Leben, mit allem Leid und aller Freude, mit allem Gelingen und Versagen.

In diesem Jesuskind in der Krippe ist der wahre Friede auf die Erde herabgekommen - und dieser will unsere Herzen erreichen. Mit der Geburt Gottes als Mensch in seinem geliebten Sohn begegnet er uns nunmehr auf Augenhöhe. Wir brauchen ihn nicht mehr verzweifelt irgendwo in den Himmeln zu suchen, sondern können ihm nun Auge in Auge gegenüberstehen. Nicht weil wir groß sind, sondern weil Gott sich in seiner Menschwerdung derart klein macht, ist es dem Menschen seit der Weihnachtsnacht möglich, dem Allmächtigen in seiner frei gewählten Ohnmacht als neugeborenes Kind geradewegs ins Gesicht zu schauen, gleich wie es die Hirten und die Weisen aus dem Morgenland anbetend taten.

Ein weiser Rabbi wurde von seinem Schüler einmal gefragt, warum wir Menschen uns so schwer damit tun, Gott zu sehen. Seine tiefsinnige Antwort lautete: „Weil wir verlernt haben, uns nach Gott zu bücken.“ Mit der Geburt Jesu Christi ändert sich schlagartig die Blickrichtung. Es gilt nicht mehr die bisherige Vorstellung von unten und oben, sondern von gleich zu gleich, auch wenn wir nie vergessen dürfen, dass der unendliche Abstand zwischen Gott und Mensch immer bestehen bleiben wird.

Wir können nicht Götter werden, Gott aber kann und will Mensch werden. Gott ist sich nicht zu schade, sich mit uns auf eine Stufe zu stellen. Dies tut er nicht im Sinne einer gut gemeinten, symbolischen Handlung, sondern aus unstillbarer Sehnsucht nach dem Menschen.

Wie oft leiden wir daran, dass Menschen es nicht ernst mit uns meinen? Da wird ein gegebenes Wort ebenso schnell gebrochen, wie es gesprochen wurde, wenn es für den anderen einen Vorteil bringt.

Wie oft geraten Kinder und Jugendliche auf die schiefe Bahn, weil sie sich zu Hause nicht ernstgenommen fühlen und sich selbst überlassen bleiben?

Wo wir einander nicht ernst nehmen, nicht mehr auf das Wort des anderen zählen können, geht das Leben und das Vertrauen in die Mitmenschen in die Brüche.

Gott hingegen macht ernst mit seinem Menschsein, koste es, was es wolle, und sei es 33 Jahre später bis zur letzten Konsequenz am Kreuz.

Gott hat nicht nur Wort gehalten, er war und ist der Logos, das Wort schlechthin, auf das wir Menschen zählen und verlässlich bauen dürfen. Genau das meint der Evangelist Johannes am heutigen Morgen wenn er sagt: „In ihm, [dem Wort] war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen“ (Joh 1,4).

Und dieses von Gott gegebene Wort „ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14).

Gott hat sein Wort gegeben und sein Wort gehalten bis in den Tod.

Möge dieses Ehrenwort Gottes, diese Liebeserklärung, die durch die Jungfrau Maria Mensch wurde, im Neuen Jahr 2011 unsere Herzen erfüllen.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen allen
Ihr
Pfarrer Frank Aumüller, Marienthal

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Auszug aus der Predigt von Papst Benedikt XVI. in der Christmette (Petersdom) am 24. Dezember 2009 (Quelle: www.vatican.va):

„´Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt` (Jes 9, 5). Was Jesaja von weitem, ins Kommende blickend, Israel zum Trost in seinen Bedrängnissen und Dunkelheiten sagt, das verkündet der Engel, von dem eine Wolke des Lichts ausgeht, den Hirten als Gegenwart: „Heute ist euch in der Stadt Davids ein Retter geboren, Christus, der Herr“ (Lk 2, 11). Der Herr ist da. Gott ist von nun an wirklich ein „Gott mit uns“. Er ist nicht mehr der ferne Gott, den man irgendwie durch die Schöpfung hindurch und durch das Gewissen von weitem ahnen kann. Er ist in die Welt hereingetreten. Er ist der Nahe. Der auferstandene Christus hat es den Seinigen – uns – gesagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28, 20). Euch ist der Heiland geboren: Was der Engel den Hirten verkündete, ruft uns Gott durch das Evangelium und durch seine Boten jetzt zu. Dies ist eine Nachricht, die uns nicht gleichgültig lassen kann. Wenn sie wahr ist, ist alles anders. Wenn sie wahr ist, betrifft sie auch mich. Dann muß auch ich wie die Hirten sagen: Auf, ich will hingehen nach Bethlehem und das Wort sehen, das da geschehen ist.“
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Gott hat in seinem Sohn ein Herz, ein menschliches Herz, angenommen und in diesem Herzen sich selbst, die Liebe, die er ist, hineingehalten in alle Schicksale und Wandlungen menschlichen Lebens. Alles, schlechterdings alles, geht ihm zu Herzen. Was immer uns begegnet, wir begegnen etwas, das Gott zu Herzen geht. Klaus Hemmerle
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Gott war unbegreiflich,
unnahbar, unsichtbar
und unvorstellbar.
Er ist Mensch geworden,
uns nahe gekommen
in einer Krippe,
damit wir ihn sehen
und begreifen können.

Hl. Bernhard von Clairvaux