Informationsblatt der Blauen Gebetsoase
in Sievernich
Geistlicher Impuls
Der November ist eine Herausforderung. Es gibt
wenige Menschen, denen es gar nichts ausmacht,
dass die Tage immer kürzer werden, dass die Bäume
ihre Blätter verlieren, dass Kälte, Nebel und
Dunkelheit zunehmen. November: ein dunkler Monat,
der Monat , in dem wir besonders an die Verstorbenen
denken und auch an unseren eigenen
Tod. Das, was sich in der Natur abspielt, v.a. die
Dunkelheit ist Anlass, nachzudenken, welche Dunkelheiten
auch in unserem Leben vorkommen und
wie wir durch den Glauben diese Dunkelheiten
durchstehen können.
1. Traurigkeit und Dunkelheit durch Abschied
und Verluste
Machen wir uns nichts vor: realistisch betrachtet ist
unser Leben eine Aneinanderreihung von vielen
Abschieden und Verlusten. Als wir auf die Welt
kamen verloren wir den allumfassenden Schutz, tief
geborgen zu sein im Schoß unserer Mutter. Als wir
in die Schule kamen, verloren wir ein Stück die
Freiheit, ganz und gar Kind zu sein. Im Laufe der
Jahre sammelten wir viele gute und weniger gute
Erfahrungen und mussten uns dann für eine ganz
bestimmte Ausbildung entscheiden, verloren so mit
dieser Entscheidung die unbegrenzte Offenheit und
Wahlfreiheit für ganz andere Wege, Berufe etc. Und
dann haben wir auch eine Lebensentscheidung
getroffen; die meisten von uns haben geheiratet und
– bei all dem Glück und Geschenk, was das
bedeutet! – es beinhaltete auch den Verzicht auf
andere Lebensoptionen. So geht es immer weiter:
früher oder später verlieren wir die Gesundheit
unseres Leibes. Wir verlieren mit der Zeit liebe
Familienangehörige und Freunde – und schließlich,
aber sicher, werden wir selber auch unser Leben
verlieren. All das, obwohl das nur die eine Seite des
Lebens ist, kann uns traurig stimmen und zu großer
Dunkelheit führen. Groll, Zorn und Bitterkeit ist das,
was viele wählen angesichts der immer größer
werdenden Verluste und Abschiede.
2. Traurigkeit und Dunkelheit durch Sünde, Versagen,
durch das Böse
Eine andere Art von Traurigkeit und Dunkelheit kann
uns aber auch befallen, wenn uns Fehler unterlaufen,
wenn wir Gott und andere Menschen verletzen,
wenn wir statt zu lieben, egoistisch und hartherzig
sind. Mit einem Wort, wenn wir sündigen. Sünde
trennt, sondert ab und führt auf Dauer zu Isolation
und einem verbitterten, harten Herzen. Sicherlich,
es wird uns nie gelingen, ganz von Sünde frei zu
bleiben. Durch die Erbschuld bleibt jener „Stachel im
Fleisch“ (vgl. 2 Kor 12,7). Und vergessen wir nicht,
dass wir– so sagt es die Schrift – „nicht gegen Menschen
von Fleisch und Blut zu kämpfen (haben),
sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen
die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die
bösen Geister des himmlischen Bereichs.“ (Eph
6,12) Es gibt eine Kraft, die uns vom Guten und von
Gott immer wieder abbringen möchte.
3. Wege, die zu Jesus Christus, dem Licht in der
Dunkelheit führen
Konzentrieren wir uns nun – ausgehend von einigen
Botschaften der Gottesmutter in Sievernich – auf
das, wie wir uns angesichts dieser Traurigkeiten und
Dunkelheiten verhalten sollen, was wir dem Dunklen
entgegen setzen können und sollen. In den
Botschaften an M. Strack ist oftmals von der
Finsternis die Rede und was wir gegen sie tun
können. „Liebe Kinder, oft werdet ihr versucht, es
gibt scheinbare Hindernisse, die euch vom Gebet
fernhalten möchten. Ruft mich dann an, denn ich
werde der Schlange den Kopf zertreten. Denkt
daran, wenn ihr versucht werdet, ruft mich an! Ich
werde für euch bitten bei meinem Sohne Jesus
Christus und Er wird mir meine Bitte nicht
abschlagen, euch aus dieser Finsternis befreien zu
dürfen.“ (8.01.2001)
Maria, die Mutter Jesu und unsere Mutter, lädt uns –
so sehen wir es in dieser Botschaft - ein, uns klar
und direkt, wenn die Finsternis uns versucht, sie
anzurufen, sich im Gebet an sie zu wenden. Weshalb
ist es so wichtig, Maria gerade in der „Finsternis
der Versuchung zum Bösen“ Maria anzurufen?
Weil sie es ist, so heißt es in der eben zitierten
Botschaft, die mit Hilfe ihres Sohnes der „Schlange
den Kopf zertreten“ hat. Maria als neue Eva ist die,
die, wie in der Bibel angekündigt (Gen 3,15), der
Schlange (= Satan) den Kopf zertritt. Machen wir
uns das bewusst. Uns selber ist es nicht möglich,
aus eigener Kraft den Kampf gegen das Böse aufzunehmen.
Aber geborgen bei unserer Mutter, letztlich
in enger Verbindung durch sie zu Jesus Christus
stehend, der als einziger der Sünde und dem Tod
die Macht genommen hat, können wir dem Bösen
widerstehen. Es geht also gerade bei der unter 2.
beschriebenen Finsternis darum, Maria in den Stunden,
wo wir zweifeln, wo wir in der Versuchung sind,
dass lieblose Gedanken in Bezug auf andere Menschen
in unser Herz gelangen, Maria anzurufen, sie
wirklich darum zu bitten, Kraft ihrer Vollmacht, der
Schlange den Kopf zu zertreten. „Liebe Kinder, die
Schlange kann der Königin nicht befehlen, die Königin
jedoch darf mit der Vollmacht des Sohnes der
Schlange den Kopf zertreten.“ (5.02.2001)
Wie aber sollen wir jener ersten Traurigkeit und
Dunkelheit , die unter 1. beschrieben wurde , und
die unser Leben oft so schwer macht, begegnen?
Dafür gibt es kein Generalrezept. Verluste, Abschied,
Schmerz du Leid – das sind die großen
Fragzeichen in unserem Leben, auf die es oft keine
Antworten gibt. Vielleicht sind es eher ganz bewußte
Entscheidungen, die wir angesichts dieser Serie
von Verlusten zu treffen haben. Mehr „Willensentscheidungen“
als „Herzensentscheidungen“, da
unsere Gefühle meist genau etwas anderes sagen.
Es geht darum, dass wir – auch wenn wir entsetzlich
viel verloren haben – uns entscheiden (!), nicht bitter
zu werden, sondern trotzdem (!) zu lieben, trotzdem
in der Liebe zu bleiben. Viele von uns hätten angesichts
der Verluste und des Leids in ihrem Leben
allen Grund, zornig und bitter zu werden. Aber ich
kann auch, einen anderen Weg wählen: „Ich entscheide
mich trotzdem zu lieben und die Hingabe zu
leben.“ Sehr schwer ist das! Hingabe, das ist auch
das, was sich die Gottesmutter so sehr wünscht,
letztlich möchte sie uns dazu Mut machen, in der
Hingabe unseres Lebens ihrem geliebten Sohn Jesus
Christus nachzufolgen. „Schenkt euch ganz
meinem geliebten Sohn. Ganz, sage ich euch, nicht
nur etwas. Reicht ihm die Hand und nicht nur einen
Finger! Seid bereit, schenkt euch Ihm ganz, damit Er
ganz bei euch sein kann. Damit Er ganz in euch
wirken kann.“ (15.10.2001)
Versuchen wir, wenn uns die Dunkelheiten des
Novembers, des Lebens, der Verluste und des Bösen
befallen, diese beiden Dinge: - Rufen wir Maria,
unsere Mutter und unser mächtige Fürsprecherin
an und – entscheiden wir uns, trotzdem (!), unser
Leben dem Herrn zu schenken und uns hinzugeben
für die, die um uns herum leben und für die, denen
wir im Gebet nahe sein können; eben für all jene,
die uns so sehr brauchen.
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns!
Aus dem Katechismus der katholischen Kirche,
München 1993, Nr. 1010:
„Durch Christus hat der christliche Tod einen
positiven Sinn. „Für mich ist Christus das Leben,
und Sterben Gewinn“ (Phil 1,21). „Das Wort ist
glaubwürdig: Wenn wir mit Christus gestorben sind,
werden wir auch mit ihm leben2 (2 Tim 2,119. Das
wesentlich Neue am christlichen Tod liegt darin:
Durch die Taufe ist der Christ sakramental schon
„mit Christus gestorben“, um aus einem neuen
Leben zu leben. Wenn wir in der Gnade Christi
sterben, vollendet der leibliche Tod dieses „Sterben
mit Christus“ und vollzieht so endgültig unsere
Eingliederung in ihn durch seine Erlösungstat:
„Besser ist es für mich, zu sterben auf Christus hin,
als König zu sein über die Enden der Erde. Jenen
suche ich, der für uns starb; jenen will ich, der
unsertwegen auferstand. Das Gebären steht mir
bevor… Laßt mich reines Licht empfangen! Dort
angekommen, werde ich Mensch sein“ (Ignatius v.
Antiochien, Rom.6,1-2).“
Wenn Dein Herz wandert oder leidet,
bring es behutsam an seinen Platz zurück
und versetze es sanft
in die Gegenwart Deines Herrn.
Und selbst, wenn Du nichts getan hast
in Deinem ganzen Leben
außer Dein Herz zurückzubringen
und wieder in die Gegenwart
unseres Gottes zu versetzen,
obwohl es jedesmal wieder fortlief,
nachdem Du es zurückgeholt hattest,
dann hast Du Dein Leben wohl erfüllt.
Hl. Franz von Sales (1567-1622)