Informationsblatt der Blauen Gebetsoase

in Sievernich

 November 2009

 

Geistlicher Impuls

Der November ist eine Herausforderung. Es gibt wenige Menschen, denen es gar nichts ausmacht, dass die Tage immer kürzer werden, dass die Bäume ihre Blätter verlieren, dass Kälte, Nebel und Dunkelheit zunehmen. November: ein dunkler Monat, der Monat , in dem wir besonders an die Verstorbenen denken und auch an unseren eigenen Tod. Das, was sich in der Natur abspielt, v.a. die Dunkelheit ist Anlass, nachzudenken, welche Dunkelheiten auch in unserem Leben vorkommen und wie wir durch den Glauben diese Dunkelheiten durchstehen können.

1. Traurigkeit und Dunkelheit durch Abschied und Verluste

Machen wir uns nichts vor: realistisch betrachtet ist unser Leben eine Aneinanderreihung von vielen Abschieden und Verlusten. Als wir auf die Welt kamen verloren wir den allumfassenden Schutz, tief geborgen zu sein im Schoß unserer Mutter. Als wir in die Schule kamen, verloren wir ein Stück die Freiheit, ganz und gar Kind zu sein. Im Laufe der Jahre sammelten wir viele gute und weniger gute Erfahrungen und mussten uns dann für eine ganz bestimmte Ausbildung entscheiden, verloren so mit dieser Entscheidung die unbegrenzte Offenheit und Wahlfreiheit für ganz andere Wege, Berufe etc. Und dann haben wir auch eine Lebensentscheidung getroffen; die meisten von uns haben geheiratet und – bei all dem Glück und Geschenk, was das bedeutet! – es beinhaltete auch den Verzicht auf andere Lebensoptionen. So geht es immer weiter: früher oder später verlieren wir die Gesundheit unseres Leibes. Wir verlieren mit der Zeit liebe Familienangehörige und Freunde – und schließlich, aber sicher, werden wir selber auch unser Leben verlieren. All das, obwohl das nur die eine Seite des Lebens ist, kann uns traurig stimmen und zu großer Dunkelheit führen. Groll, Zorn und Bitterkeit ist das, was viele wählen angesichts der immer größer werdenden Verluste und Abschiede.

2. Traurigkeit und Dunkelheit durch Sünde, Versagen, durch das Böse

Eine andere Art von Traurigkeit und Dunkelheit kann uns aber auch befallen, wenn uns Fehler unterlaufen, wenn wir Gott und andere Menschen verletzen, wenn wir statt zu lieben, egoistisch und hartherzig sind. Mit einem Wort, wenn wir sündigen. Sünde trennt, sondert ab und führt auf Dauer zu Isolation und einem verbitterten, harten Herzen. Sicherlich, es wird uns nie gelingen, ganz von Sünde frei zu bleiben. Durch die Erbschuld bleibt jener „Stachel im Fleisch“ (vgl. 2 Kor 12,7). Und vergessen wir nicht, dass wir– so sagt es die Schrift – „nicht gegen Menschen von Fleisch und Blut zu kämpfen (haben), sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs.“ (Eph 6,12) Es gibt eine Kraft, die uns vom Guten und von Gott immer wieder abbringen möchte.

3. Wege, die zu Jesus Christus, dem Licht in der Dunkelheit führen

Konzentrieren wir uns nun – ausgehend von einigen Botschaften der Gottesmutter in Sievernich – auf das, wie wir uns angesichts dieser Traurigkeiten und Dunkelheiten verhalten sollen, was wir dem Dunklen entgegen setzen können und sollen. In den Botschaften an M. Strack ist oftmals von der Finsternis die Rede und was wir gegen sie tun können. „Liebe Kinder, oft werdet ihr versucht, es gibt scheinbare Hindernisse, die euch vom Gebet fernhalten möchten. Ruft mich dann an, denn ich werde der Schlange den Kopf zertreten. Denkt daran, wenn ihr versucht werdet, ruft mich an! Ich werde für euch bitten bei meinem Sohne Jesus Christus und Er wird mir meine Bitte nicht abschlagen, euch aus dieser Finsternis befreien zu dürfen.“ (8.01.2001)

Maria, die Mutter Jesu und unsere Mutter, lädt uns – so sehen wir es in dieser Botschaft - ein, uns klar und direkt, wenn die Finsternis uns versucht, sie anzurufen, sich im Gebet an sie zu wenden. Weshalb ist es so wichtig, Maria gerade in der „Finsternis der Versuchung zum Bösen“ Maria anzurufen? Weil sie es ist, so heißt es in der eben zitierten Botschaft, die mit Hilfe ihres Sohnes der „Schlange den Kopf zertreten“ hat. Maria als neue Eva ist die, die, wie in der Bibel angekündigt (Gen 3,15), der Schlange (= Satan) den Kopf zertritt. Machen wir uns das bewusst. Uns selber ist es nicht möglich, aus eigener Kraft den Kampf gegen das Böse aufzunehmen. Aber geborgen bei unserer Mutter, letztlich in enger Verbindung durch sie zu Jesus Christus stehend, der als einziger der Sünde und dem Tod die Macht genommen hat, können wir dem Bösen widerstehen. Es geht also gerade bei der unter 2. beschriebenen Finsternis darum, Maria in den Stunden, wo wir zweifeln, wo wir in der Versuchung sind, dass lieblose Gedanken in Bezug auf andere Menschen in unser Herz gelangen, Maria anzurufen, sie wirklich darum zu bitten, Kraft ihrer Vollmacht, der Schlange den Kopf zu zertreten. „Liebe Kinder, die Schlange kann der Königin nicht befehlen, die Königin jedoch darf mit der Vollmacht des Sohnes der Schlange den Kopf zertreten.“ (5.02.2001)

Wie aber sollen wir jener ersten Traurigkeit und Dunkelheit , die unter 1. beschrieben wurde , und die unser Leben oft so schwer macht, begegnen? Dafür gibt es kein Generalrezept. Verluste, Abschied, Schmerz du Leid – das sind die großen Fragzeichen in unserem Leben, auf die es oft keine Antworten gibt. Vielleicht sind es eher ganz bewußte Entscheidungen, die wir angesichts dieser Serie von Verlusten zu treffen haben. Mehr „Willensentscheidungen“ als „Herzensentscheidungen“, da unsere Gefühle meist genau etwas anderes sagen. Es geht darum, dass wir – auch wenn wir entsetzlich viel verloren haben – uns entscheiden (!), nicht bitter zu werden, sondern trotzdem (!) zu lieben, trotzdem in der Liebe zu bleiben. Viele von uns hätten angesichts der Verluste und des Leids in ihrem Leben allen Grund, zornig und bitter zu werden. Aber ich kann auch, einen anderen Weg wählen: „Ich entscheide mich trotzdem zu lieben und die Hingabe zu leben.“ Sehr schwer ist das! Hingabe, das ist auch das, was sich die Gottesmutter so sehr wünscht, letztlich möchte sie uns dazu Mut machen, in der Hingabe unseres Lebens ihrem geliebten Sohn Jesus Christus nachzufolgen. „Schenkt euch ganz meinem geliebten Sohn. Ganz, sage ich euch, nicht nur etwas. Reicht ihm die Hand und nicht nur einen Finger! Seid bereit, schenkt euch Ihm ganz, damit Er ganz bei euch sein kann. Damit Er ganz in euch wirken kann.“ (15.10.2001)

Versuchen wir, wenn uns die Dunkelheiten des Novembers, des Lebens, der Verluste und des Bösen befallen, diese beiden Dinge: - Rufen wir Maria, unsere Mutter und unser mächtige Fürsprecherin an und – entscheiden wir uns, trotzdem (!), unser Leben dem Herrn zu schenken und uns hinzugeben für die, die um uns herum leben und für die, denen wir im Gebet nahe sein können; eben für all jene, die uns so sehr brauchen.

Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns!
Aus dem Katechismus der katholischen Kirche, München 1993, Nr. 1010:

„Durch Christus hat der christliche Tod einen positiven Sinn. „Für mich ist Christus das Leben, und Sterben Gewinn“ (Phil 1,21). „Das Wort ist glaubwürdig: Wenn wir mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben2 (2 Tim 2,119. Das wesentlich Neue am christlichen Tod liegt darin: Durch die Taufe ist der Christ sakramental schon „mit Christus gestorben“, um aus einem neuen Leben zu leben. Wenn wir in der Gnade Christi sterben, vollendet der leibliche Tod dieses „Sterben mit Christus“ und vollzieht so endgültig unsere Eingliederung in ihn durch seine Erlösungstat: „Besser ist es für mich, zu sterben auf Christus hin, als König zu sein über die Enden der Erde. Jenen suche ich, der für uns starb; jenen will ich, der unsertwegen auferstand. Das Gebären steht mir bevor… Laßt mich reines Licht empfangen! Dort angekommen, werde ich Mensch sein“ (Ignatius v. Antiochien, Rom.6,1-2).“

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Wenn Dein Herz wandert oder leidet,
bring es behutsam an seinen Platz zurück
und versetze es sanft
in die Gegenwart Deines Herrn.

Und selbst, wenn Du nichts getan hast
in Deinem ganzen Leben
außer Dein Herz zurückzubringen
und wieder in die Gegenwart
unseres Gottes zu versetzen,
obwohl es jedesmal wieder fortlief,
nachdem Du es zurückgeholt hattest,
dann hast Du Dein Leben wohl erfüllt.

Hl. Franz von Sales (1567-1622)