Informationsblatt der Blauen Gebetsoase
in Sievernich
Aus „Betrachtungen“, P. Ludwig de Ponte SJ.
Es ist Glaubenssatz, daß die Seelen, die in der Gnade sterben, aber noch läßliche Sünden haben oder noch für zeitliche Sündenstrafen Buße tun müssen, ins Fegfeuer kommen. Sie werden also einem vorübergehenden Zustande der Reinigung und Strafe unterworfen, bis sie so heilig sind, um in den Himmel zu kommen. Es heißt ja vom Himmel: „Nichts Unreines wird in denselben eingehen" (Offb 21, 27) Wenn wir das Fegfeuer betrachten, müssen wir uns unwillkürlich die Frage stellen, warum übe ich so viel Nachsicht mit mir, wenn die Gerechtigkeit Gottes so genau und streng ist? Warum ziehe ich es nicht vor, meine Sünden durch harte Bußübungen zu bestrafen, anstatt sie dem göttlichen Strafgericht aufzubewahren? Wie leicht ist es, irdische Bußübungen auf sich zu nehmen. Wie stärkt uns der Gedanke bei der Abtötung, daß unsere Opfer verdienstlich sind, ja, daß jedes freiwillige Leid uns eine größere Herrlichkeit im Himmel erwirbt.
O Heiland, Jesus Christus, in dessen Blut die Gerechten ihre Seelen waschen und reinigen, gib mir einen lebendigen Schmerz über meine Sünden. Laß mich meine bösen Gedanken durch Gedanken der Ehrfurcht und des Friedens, meine sündigen Reden durch Worte der Liebe und des Gebetes, meine bösen Werke durch Taten der Selbstüberwindung und des Eifers für Deine Ehre sühnen.
Eine zweite Frage drängt sich uns bei der Betrachtung des Fegfeuers auf: Wenn die Heiligkeit Gottes eine solche Reinheit von unserer Seele fordert, warum schrecken wir nicht vor der geringsten Verunreinigung zurück? Warum meiden wir nicht sorgfältig auch die kleinsten Sünden? Das Leben auf dieser Welt hat ja seinen letzten Sinn darin, daß es uns eine Schule der Vollkommenheit sein soll. Alles, was uns die Erde an natürlichen Schätzen bieten kann, sind nur Lehrmittel. Unser wahres Leben beginnt erst im Himmel. Der Tod ist Schulentlassung.
Barmherziger und gerechter Gott, laß mich nicht müde werden, nach wahrer Vollendung zu streben. Laß mich im Angesichte der Ewigkeit und des Fegfeuers einen tiefen Abscheu auch vor der kleinsten Sünde haben. Laß mich mit aller Kraft in diesem Leben die Heiligkeit erstreben, damit ich vor den furchtbaren Qualen des Fegfeuers bewahrt werde.
Es ist allgemeine Lehre der Kirche, daß die Strafe der Verbannung im Fegfeuer in dem vorübergehenden Entzug der Anschauung Gottes besteht. Dazu treten noch weitere innere und äußere Strafleiden.
Diese Strafen des Reinigungsortes sind für die Seelen unaussprechlich groß. Man möchte sich mit Gott vereinigen und fühlt sich immer wieder zurückgestoßen. Das ist hart für eine Seele, mein Gott, die sich durch Deine Liebe angezogen und durch Deine Gerechtigkeit abgewiesen sieht. Laß uns Dich daher hienieden mit unserer ganzen Kraft suchen und lieben, laß uns die Sünde meiden, laß uns Dir wohlgefällig leben.
Ob das Feuer des Fegfeuers ein wirkliches Feuer ist, hat die Kirche nicht entschieden. Die Frage ist auch in der Bibel und Lehre der Väter nicht so klar beantwortet wie die Frage nach dem Feuer der Hölle. Das Konzil von Trient hat nur zwei Grundwahrheiten über das Fegfeuer gelehrt: Erstens daß es einen Läuterungszustand gibt, zweitens daß die dort festgehaltenen Seelen auf die Fürbitte der Gläubigen und durch die Gnaden des heiligen Meßopfers Hilfe erhalten können.
Die Läuterung selbst besteht in dem furchtbar schmerzlich empfundenen Ausgeschlossensein von der Anschauung Gottes. Die abgeschiedene Seele liebt ja Gott mehr, als sie es je in ihren besten Lebenstagen getan hat. Sie begreift aber auch zugleich, daß der unendlich heilige und gute Gott mit dem Bösen nichts gemein hat, und so fühlt sie sich wegen ihrer noch bestehenden Fehler zurückgestoßen. Wie in einem gewaltigen Fieber verzehrt sie so ihre Kraft. Ihre Reinigung vollzieht sich aber nicht bloß in Reue und Sehnsucht, sondern auch in äußeren Qualen. Diese sind, wie der hl. Thomas lehrt, in ihrem geringsten Grad weit größer als die größten Strafen dieses Lebens. Sie sind größer als der Jammer, den alle Märtyrer der Kirche zu erdulden hatten.
Wie unvernünftig ist es, angesichts dieser Tatsachen der leichten Marter der Buße, mit dem ich dem Fegfeuer entgehen kann, zu entfliehen. Ein Tor ist der Mensch, der seine Natur feige verzärtelt, sie verwöhnt, statt sie abzutöten, und im Fegfeuer dafür büßen muß. Leichtfertiger Vergnügen wegen, törichter Eitelkeiten wegen, irdischer Befriedigungen wegen soll ich mich der Gefahr aussetzen, Qualen zu leiden, die jede Vorstellung übertreffen! Gewiß gibt es im Fegfeuer eine Linderung insofern, als das Ende der Bußzeit sicher kommt. Eine Verzweiflung ist nicht am Platze. Aber wenn selbst auch die Engel herniedersteigen, um die leidenden Seelen zu trösten, so gilt von den Büßenden doch das Wort des Tobias an Erzengel Raphael: „Welche Freude kann ich noch haben, da ich im Finstern sitze und das Himmelslicht nicht sehe?" (Tob 5, 12.)
Heiliger Gott, ich preise Deine Gerechtigkeit, ich bitte Dich im gleichen Atemzuge um Erbarmen. Wer sollte Deine Gerichte nicht fürchten? Ich will mich plagen, auch die geringste Sünde mit Sorgfalt zu meiden, ich will alles Böse verabscheuen, das Dich zwingt, Deine Hand gegen mich zu erheben und die Schönheit Deines göttlichen Antlitzes vor mir zu verhüllen. Herr, laß mich alles hassen, was Deiner höchsten Majestät mißfällt. Laß mich die Bußübung lieben, laß mich nicht müde werden, nach der Vollkommenheit zu streben, daß ich im andern Leben nicht mehr nötig habe, im Fegfeuer gereinigt zu werden.
Die Seele hat das furchtbare Gericht Gottes glücklich hinter sich gebracht; sie konnte, weil im Gnadenstand befunden, vor dem ewigen Richter bestehen. In der ersten Begegnung mit dem göttlichen Richter ist die Seele durch das Licht der ewigen Wahrheit erleuchtet worden. Sie erkennt einerseits die unendliche Güte Gottes, seine strenge Gerechtigkeit, seine wahrhaft göttliche Reinheit und Heiligkeit, anderseits aber auch die Tatsache, daß sie selbst noch nicht würdig ist, vor dem Angesicht ihres Herrn und Geliebten zu erscheinen. Auf Seiten Gottes gibt es zwar kein Hindernis für den Eintritt der Seele in die ewige Seligkeit als nur seine unendliche, ganz vollkommene und absolut reine und heilige Wesenheit, die im Kontrast steht zu der noch vorhandenen Unvollkommenheit der Seele, die in ihrer Liebe zu Gott, dem höchsten und liebenswürdigsten Gut, noch gehemmt ist und noch behindert wird in der ersehnten, über alles beglückenden Vereinigung mit Gott. Die im Erdenleben begangenen Sünden sind zwar vergeben, aber sie haben in der Seele Wunden zurückgelassen, „Rostflecken“ gleichsam, die noch aus dem Gold der von Gott ganz rein und schön geschaffenen Seele herausgebrannt werden müssen. Eine geheimnisvolle Kraft zieht zwar die im Gnadenstand ins Jenseits hinübergegangene Seele zu Gott hin, gleichzeitig aber wird sie durch eine innere Kraft noch von Gott zurückgehalten. Aus dieser Verzögerung der Vereinigung der Gott liebenden, im Gnadenstand befindlichen Seele mit dem liebenden, aber sie ganz rein und vollkommen erwartenden Gott entsteht in der Seele eine Art Feuer, das zwar dem in der Hölle ähnlich und doch von diesem wieder ganz verschieden ist. Dieses Feuer reinigt und läutert die Seele von allem „Rost der Sünde“. Wenn man eine Art Psychologie der Seelen im Fegfeuer entwerfen sollte, könnte man etwa folgendes skizzieren:
1. Es gibt in den Armen Seelen schmerzvollste Pein und dennoch zugleich heilige Freude.
Die Ursache der schmerzvollen Pein ist eine dreifache:
a) das Wissen darum, noch etwas an sich zu haben, das Gott mißfällt,
b) das Wissen darum, daß Gottes Liebe die Seele schon bei sich im ewigen Glück haben möchte, daß aber in ihr noch jenes Hindernis vorhanden ist, das durch die Sünde der Vereinigung mit Gott entgegengestellt wurde,
c) das Wissen darum, daß die Erlangung der beseligenden Anschauung Gottes, die von der Seele so glühend herbeigesehnt wird und ihr schon gewiß ist, durch sie selbst noch eine Verzögerung erfährt.
Eigenartig ist, daß die schmerzliche Pein der Seelen im Fegfeuer nicht etwa mehr und mehr abnimmt, sondern in der Sicht der hl. Catharina von Genua immer stärker und stärker wird, je mehr es der Befreiung aus dem Fegfeuer entgegengeht: Die immer mehr wachsende Erkenntnis Gottes, mit der wachsende Sehnsucht, Ihn zu schauen, und wachsende Liebe verbunden sind, verstärkt den Schmerz über die Verzögerung der Anschauung Gottes.
Zusammen mit schmerzvollster Pein gibt es in den Seelen aber ganz große Freude. Auch diese wächst immer mehr, je mehr es Gott entgegengeht. Quelle der Freude in den Armen Seelen ist neben der zweifelsfreien Gewißheit, das ewige Heil sicher zu erlangen, das Wissen darum, daß der liebende Gott in großer Barmherzigkeit die Läuterung der Seele verfügt hat, um so seiner Gerechtigkeit Genugtuung zu verschaffen.
2. Es gibt in den Armen Seelen im Fegfeuer eine ganz große Gottesliebe. Diese Liebe zu Gott, der mit sanfter Gewalt die von Ihm geliebte Seele an sich zieht, bringt in der Seele im Fegfeuer eine sechsfache Wirkung hervor:
a) Diese Liebe bewirkt eine Umgestaltung der Seele, die immer mehr Gott ähnlich wird.
b) Diese Liebe bewirkt völlige Ergebung in die vom liebenden Gott für sie getroffene Anordnung und damit eine immer vollständigere Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes.
c) Diese Liebe adelt die Seele, die von jedem Egoismus frei wird, sich selbst ganz vergißt, dem Leiden gegenüber ganz indifferent wird, vielmehr sich sogar immer stärker nach dem läuternden Leiden sehnt.
d) Diese Liebe reinigt die Seele immer mehr: Den von Gott ausgehenden reinigenden Strahlen des Feuers göttlicher Liebe antwortet die Seele mit immer intensiverer Gegenliebe. So wird die Seele von allen Rostflecken begangener Sünden frei.
f) Diese Liebe vernichtet schließlich alles in der Seele, was noch unvollkommen in ihr ist.
g) Diese Liebe weckt in der von falscher Eigenliebe völlig frei gewordenen Seele ganz große Freude, die der Vorgeschmack der ihr zuteil werdenden ewigen Freude der beseligenden Anschauung Gottes ist. Weil sich die Seele ganz und gar vergessen hat und ganz von Gott beschlagnahmt ist durch die Liebe, erträgt sie auch die schmerzvollste Pein des Fegfeuers mit größter Freude.
Aus allen Überlegungen der hl. Catharina von Genua über das Fegfeuer spürt man heraus, daß hier jede ungute Materialisierung des Ortes (sofern man überhaupt davon sprechen kann) und des Zustandes des Fegfeuers fehlt; sie sieht alles vergeistigt im Feuer der Liebe, das von Gott, der die Liebe selber ist, ausgeht und das in der noch nicht ganz reinen, noch nicht ganz vollkommenen und der lautersten Reinheit und Heiligkeit Gottes noch nicht voll entsprechenden Seele vollkommene Läuterung schafft.
aus Ferdinand Holböck: Die Theologin des Fegfeuers - Hl. Catharina von Genua Christiana-Verlag ISBN 3-7171-0769-0
Der Ablaß ist der von Gott gewährte Nachlaß zeitlicher Strafe für der Schuld nach bereits getilgte Sünden. Der Gläubige kann ihn bei entsprechender Vorbereitung und unter bestimmten und festgelegten Bedingungen durch die Kirche erlangen. Die Kirche verwaltet und erteilt als Dienerin der Erlösung den Genugtuungsschatz Christi und der Heiligen.
Der Ablaß ist teilweise oder vollkommen, je nachdem er von zeitlicher Sündenstrafe teilweise oder vollständig befreit.
Niemand kann gewonnene Ablässe anderen noch lebenden Personen zuwenden.
Sowohl die Teilablässe als auch die vollkommenen Ablässe können fürbittend den Verstorbenen zugewendet werden.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten Teil- oder Vollablässe zu gewinnen. Der Vollablaß kann z. B. erlangt werden durch:
a) die Anbetung des Allerheiligsten Altarsakraments, wenigstens eine halbe Stunde lang.
b) die andächtige Lesung der Heiligen Schrift, wenigstens eine halbe Stunde lang.
c) die Kreuzweg-Andacht.
d) das Beten des Rosenkranzes in einer Kirche, in einer öffentlichen Kapelle, in der Familie, in der religiösen Gemeinschaft oder in einer Gebetsvereinigung.
Ein Vollablaß kann nur gewonnen werden, wenn die damit verbundene Verrichtung und folgende drei Bestimmungen erfüllt werden: sakramentale Beichte, eucharistische Kommunion und das Gebet nach der Meinung des Heiligen Vaters. Auch ist erforderlich, daß jegliche Anhänglichkeit an irgendwelche, auch läßliche, Sünde ausgeschlossen sei.
Wenn die volle Disposition fehlt oder die vorgenannten Bedingungen nicht erfüllt werden, kann der Ablaß nur ein teilweiser sein.
Diese drei Bedingungen können an mehreren Tagen, vor oder nach Verrichtung des vorgeschriebenen Werkes, erfüllt werden. Es ist jedoch üblich, daß Kommunion und Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters an dem Tag erfolgen, an dem auch das vorgeschriebene Werk verrichtet wird.
Die Bedingung zum Gebet nach Meinung des Hl. Vaters wird voll erfüllt, wenn nach dessen Meinung einmal das Vaterunser und das Ave Maria gebetet wird. Die Gläubigen können jedoch auch ein anderes Gebet nach ihrem persönlichen Eifer verrichten.
Inzwischen gibt es eine große Auswahl von katholischen Schriften, die in Sievernich verliehen werden.
Adresse: Frau Roswitha Maria
Marburg, Rövenicher Str. 4, 52391 Sievernich, Tel./Fax: 02252 836933