Informationsblatt der Blauen Gebetsoase
in Sievernich
Geistlicher Impuls
Am 15. September begeht die Kirche das „Gedächtnis
der Schmerzen Mariens“. Ein Fest, das
sicherlich im engen Zusammenhang steht mit
dem Fest Kreuzerhöhung, genau ein Tag davor.
Dies zeigt wieder einmal, dass Maria immer und
ganz mit ihrem Sohn Jesus Christus in Verbindung
steht und nur mit ihm zusammen zu sehen
ist. Die Kirche erinnert am 15. September in eigener
Weise an das, was Jesu Mutter an Schmerzen
durchlitten hat während der Passion ihres
Sohnes. Im Evangelium dieses Gedenktages (Joh
19,25-27) wird uns vor Augen gestellt, wie Jesus
seine letzte Stunde am Kreuz durchlitten hat und
wer dort war. „Bei dem Kreuz Jesu standen seine
Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria,
die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.“
(Joh 19,25) Drei Marien sind es also höchstwahrscheinlich
gewesen, die – auch wenn sie nichts
mehr tun konnten – den sterbenden Jesus nicht
allein gelassen haben. Aber wie furchtbar muss
es gerade für eine Mutter sein, ihr Kind leiden zu
sehen und nicht helfen zu können! Das ist der
große Schmerz dieser Kreuzesstunde. Vermutlich
ist es aber auch darüber hinaus der Schmerz,
dass Maria ahnt, weshalb ihr geliebter Sohn so
viel leiden muss: das Erlösungsleiden aus Liebe.
Liebe, die unendlich ist und sich verschenken
möchte an alle Menschen aller Zeiten und die
doch abgelehnt wird. Das Motiv der Schmerzen
Mariens ist im Osten seit dem 4. Jh. bekannt, im
Westen seit dem 9. Jh. Etwa ab dem 13. Jh. wird
die Zahl 7 festgelegt, in Entsprechung zu den
Freuden Mariens. So zählt zu den sieben
Schmerzen: der Spruch Simeons, die Flucht, der
dreitägige Verlust Jesu, der Kreuzweg, die Kreuzigung,
die Kreuzabnahme und die Grablegung
Jesu. In der Kunst wird im ausgehenden 15. Jh.
das Motiv der Sieben Schmerzen Mariens aufgenommen.
Oft sind hier diese sieben Schmerzen
um ein Marienbild - meist als Darstellung, wo der
tote Jesus auf dem Schoß seiner Mutter liegt -
angeordnet. Vielen ist z.B. sicherlich die
„Schmerzhafte Mutter“ von Heimbach ein Begriff,
zu der Jahr für Jahr Tausende von Menschen
wallfahren und Trost finden. Wenn wir Maria als
„Schmerzensmutter“ verehren und am 15. September
das Gedächtnis ihrer Schmerzen begehen,
dann geht es nicht darum, uns in eine ungesunde
„Leidensmystik“ hineinzubegeben. Und es
geht auch nicht darum, Leid und Schmerzen zu
verharmlosen oder sie zu glorifizieren nach dem
Motto „Um so mehr ich leide, um so näher bin ich
dem Herrn in der Kreuzesnachfolge“. Leiden und
Leid: wer kann dazu etwas Richtiges sagen? Damit
es nicht hohl oder leer klingt, doch wohl nur
die, die wirklich durch tiefes Leid gegangen sind
oder gehen. Aber auch da wird es schwer, zu
sagen, was denn tiefes Leid ist. Letztlich gibt es
doch auch bei jedem von uns in irgendeiner Form
Leiden. Und man soll sich davor hüten, das eine
oder andere, was jemand als Leiden ansieht, zu
bewerten oder zu verharmlosen. Jemand sagt
vielleicht: „Schweres Leiden, das kennen doch
nur die Schwerkranken.“ Aber wer kennt denn
schon das Leiden z.B. von alt gewordenen Eltern,
deren Kinder nicht mehr zu Besuch kommen;
oder von Menschen, die in ihrem Beruf Entsetzliches
durch andere oder auch durch ihre Vorgesetzten
aushalten müssen. Und wer weiß denn
wirklich, dass so viele Menschen unendlich einsam
und allein sind. Maria, die selbst viel durchlitten
hat, ist vielleicht diejenige, zu der wir – wenn
Leid unser Leben trifft – wirklich Zuflucht nehmen
können. Was heißt das konkret? 1. Wenn die
Wucht des Leides mich trifft, ja, und ich deshalb
es einfach vom Glauben nicht mehr schaffe, Gott
zu vertrauen, dann ist es vielleicht ein erster
Schritt, Maria anzurufen. Allen Schmerz , den wir
der Gottesmutter anvertrauen, leitet sie weiter an
ihren göttlichen Sohn. Wichtig ist, – egal wie
schlimm eine Situation ist – dass wir den Kontakt
nicht abbrechen zu Gott; und da ist Maria oft eine
gute Vermittlerin. 2. Wir können von der Schmerzensmutter
lernen, „bei Jesus zu bleiben“. In der
dunkelsten Stunde , nämlich der Todesstunde
ihres geliebten Sohnes, ist Maria nicht geflohen,
sie ist nicht davon gelaufen. Sie ist bei ihm
geblieben. Und das ist wichtig auch für uns: gerade
das Kreuz ist ja immer die große Glaubensprüfung.
Glauben: das fällt uns einfach, wenn
alles glatt geht, wenn wir zusammen mit anderen
unseren Glauben leben. Aber wenn das Kreuz
kommt, dann wird es oft unendlich schwer. Und
so können wir in diesen Stunden einfach ganz
schlicht - zusammen mit Maria – beten: „Jesus,
ich will bei dir bleiben. Auch wenn es schwer ist,
ich will an dir festhalten.“ 3. In der Stunde des
Kreuzes und des Leidens gibt es keine großen
Worte mehr. Leiden und Schweigen – da gibt es
einen Zusammenhang. Stellen wir uns das vor:
die Blick Mariens in die Augen ihres sterbenden
Sohnes, der auch jetzt nichts anderes kann als zu
lieben, auch und gerade seine Peiniger, die, die
ihn verspotten und die, die ihn gefoltert haben.
Jesu Blick: der Blick einer unendlichen Liebe. Und
das hat Maria – neben all dem Schmerz auch
sicherlich gespürt: dass in dieser Liebe letztlich
doch alles ausgesagt ist über die ganze Welt.
Versuchen wir, immer wieder in die Schule der
Gottesmutter zu gehen. Richten auch wir unseren
Blick hin zu unserem Erlöser am Kreuz. „Drücke
deines Sohnes Wunden, wie du selber sie empfunden
heil’ge Mutter, in mein Herz.“ So heißt es
in der Strophe eines alten Liedes zum Gedenktag
der Schmerzen Mariens. Alles Betrachten der
Leiden Christi wie auch der Schmerzen seiner
Mutter soll letztlich unser Herz umgestalten, umformen.
Christus ist aus Liebe für uns gestorben
und wenn wir einwilligen, dass wir ganz und immer
mehr in Christus sein wollen, dann heißt das,
dass wir immer mehr und alles in Liebe verwandeln
sollen. Uns ist aufgetragen, unser tägliches
Kreuz zu tragen. Das sieht für jeden ganz anders
aus. Verdrängen wir nicht unser Kreuz und Leiden;
umarmen wir es und überlassen dann alle
Weshalbs und Warums Gott und auch zu wessen
Heil wir dieses Kreuz tragen. In diesem Sinn soll
uns auch das Tagesgebet des 15.September
ermutigen und einladen: „Allmächtiger Gott, du
hast der Mutter Jesu die Kraft verliehen, unter
dem Kreuz zu stehen und das Leiden ihres Sohnes
zu teilen. Hilf uns, täglich unser Kreuz anzunehmen,
damit wir auch an der Auferstehung
unseres Herrn Jesus Christus teilhaben, der in
der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und
herrscht in alle Ewigkeit.“
Im September ist es ein Jahr her, dass unser
Heiliger Vater seine Apostolische Reise in der
Tschechischen Republik begangen hat. Hier ein
Auszug aus dem Grußwort des Heiligen Vaters,
Papst Benedikt XVI., anlässlich seines Besuches
beim „Prager Jesulein“ (Kirche St. Maria „vom
Siege“ in Prag am 26.9.2009):
… „ Das Standbild des Jesuskindes läßt uns
sogleich an das Geheimnis der Menschwerdung
denken, an den Allmächtigen Gott, der Mensch geworden
ist und 30 Jahre in der einfachen Familie
von Nazaret gelebt hat, wo ihn die Vorsehung der
aufmerksamen Fürsorge von Maria und Josef anvertraut
hat. Die Gedanken gehen auch zu euren Familien
und zu allen Familien der Welt, zu ihren Freuden
und ihren Schwierigkeiten. Mit diesem Gedanken
verbinden wir das Gebet und erbitten vom Jesuskind
für alle Familien die Gabe der Einheit und
der Herzensnähe. Besonders denken wir an jene
jungen Familien, die so große Anstrengungen unternehmen
müssen, um ihren Kindern Sicherheit
und eine würdige Zukunft zu geben. Beten wir für
die Familien in Schwierigkeiten, die von Krankheit
und Leid geprüft werden, für diejenigen, die durch
eine Krise gehen, die aufgrund von Streit und Untreue
uneinig oder zerrissen sind. Sie alle vertrauen
wir dem Prager Jesulein an, wohlwissend, wie wichtig
die Stabilität und die Einheit der Familien für den
wahren Fortschritt der Gesellschaft und die Zukunft
der Menschheit ist.
Die Figur des Jesuskindes läßt uns mit der Zartheit
seiner Kindlichkeit auch die Nähe Gottes und seine
Liebe verspüren. Wir verstehen, wie kostbar wir in
seinen Augen sind, denn gerade durch Jesus sind
wir unsererseits Kinder Gottes geworden. Jeder
Mensch ist Kind Gottes und darum unser Bruder,
und als solcher muß er angenommen und geachtet
werden. Möge unsere Gesellschaft doch diese Wirklichkeit
verstehen! Dann würde jeder Mensch nicht
für das geachtet, was er hat, sondern für das, was
er ist, denn im Antlitz eines jeden Menschen scheint
ohne Unterschied der Rasse oder der Kultur das
Bild Gottes auf.“…