Informationsblatt der Blauen Gebetsoase

in Sievernich

 September 2010

 

Geistlicher Impuls

Am 15. September begeht die Kirche das „Gedächtnis der Schmerzen Mariens“. Ein Fest, das sicherlich im engen Zusammenhang steht mit dem Fest Kreuzerhöhung, genau ein Tag davor. Dies zeigt wieder einmal, dass Maria immer und ganz mit ihrem Sohn Jesus Christus in Verbindung steht und nur mit ihm zusammen zu sehen ist. Die Kirche erinnert am 15. September in eigener Weise an das, was Jesu Mutter an Schmerzen durchlitten hat während der Passion ihres Sohnes. Im Evangelium dieses Gedenktages (Joh 19,25-27) wird uns vor Augen gestellt, wie Jesus seine letzte Stunde am Kreuz durchlitten hat und wer dort war. „Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.“ (Joh 19,25) Drei Marien sind es also höchstwahrscheinlich gewesen, die – auch wenn sie nichts mehr tun konnten – den sterbenden Jesus nicht allein gelassen haben. Aber wie furchtbar muss es gerade für eine Mutter sein, ihr Kind leiden zu sehen und nicht helfen zu können! Das ist der große Schmerz dieser Kreuzesstunde. Vermutlich ist es aber auch darüber hinaus der Schmerz, dass Maria ahnt, weshalb ihr geliebter Sohn so viel leiden muss: das Erlösungsleiden aus Liebe. Liebe, die unendlich ist und sich verschenken möchte an alle Menschen aller Zeiten und die doch abgelehnt wird. Das Motiv der Schmerzen Mariens ist im Osten seit dem 4. Jh. bekannt, im Westen seit dem 9. Jh. Etwa ab dem 13. Jh. wird die Zahl 7 festgelegt, in Entsprechung zu den Freuden Mariens. So zählt zu den sieben Schmerzen: der Spruch Simeons, die Flucht, der dreitägige Verlust Jesu, der Kreuzweg, die Kreuzigung, die Kreuzabnahme und die Grablegung Jesu. In der Kunst wird im ausgehenden 15. Jh. das Motiv der Sieben Schmerzen Mariens aufgenommen. Oft sind hier diese sieben Schmerzen um ein Marienbild - meist als Darstellung, wo der tote Jesus auf dem Schoß seiner Mutter liegt - angeordnet. Vielen ist z.B. sicherlich die „Schmerzhafte Mutter“ von Heimbach ein Begriff, zu der Jahr für Jahr Tausende von Menschen wallfahren und Trost finden. Wenn wir Maria als „Schmerzensmutter“ verehren und am 15. September das Gedächtnis ihrer Schmerzen begehen, dann geht es nicht darum, uns in eine ungesunde „Leidensmystik“ hineinzubegeben. Und es geht auch nicht darum, Leid und Schmerzen zu verharmlosen oder sie zu glorifizieren nach dem Motto „Um so mehr ich leide, um so näher bin ich dem Herrn in der Kreuzesnachfolge“. Leiden und Leid: wer kann dazu etwas Richtiges sagen? Damit es nicht hohl oder leer klingt, doch wohl nur die, die wirklich durch tiefes Leid gegangen sind oder gehen. Aber auch da wird es schwer, zu sagen, was denn tiefes Leid ist. Letztlich gibt es doch auch bei jedem von uns in irgendeiner Form Leiden. Und man soll sich davor hüten, das eine oder andere, was jemand als Leiden ansieht, zu bewerten oder zu verharmlosen. Jemand sagt vielleicht: „Schweres Leiden, das kennen doch nur die Schwerkranken.“ Aber wer kennt denn schon das Leiden z.B. von alt gewordenen Eltern, deren Kinder nicht mehr zu Besuch kommen; oder von Menschen, die in ihrem Beruf Entsetzliches durch andere oder auch durch ihre Vorgesetzten aushalten müssen. Und wer weiß denn wirklich, dass so viele Menschen unendlich einsam und allein sind. Maria, die selbst viel durchlitten hat, ist vielleicht diejenige, zu der wir – wenn Leid unser Leben trifft – wirklich Zuflucht nehmen können. Was heißt das konkret? 1. Wenn die Wucht des Leides mich trifft, ja, und ich deshalb es einfach vom Glauben nicht mehr schaffe, Gott zu vertrauen, dann ist es vielleicht ein erster Schritt, Maria anzurufen. Allen Schmerz , den wir der Gottesmutter anvertrauen, leitet sie weiter an ihren göttlichen Sohn. Wichtig ist, – egal wie schlimm eine Situation ist – dass wir den Kontakt nicht abbrechen zu Gott; und da ist Maria oft eine gute Vermittlerin. 2. Wir können von der Schmerzensmutter lernen, „bei Jesus zu bleiben“. In der dunkelsten Stunde , nämlich der Todesstunde ihres geliebten Sohnes, ist Maria nicht geflohen, sie ist nicht davon gelaufen. Sie ist bei ihm geblieben. Und das ist wichtig auch für uns: gerade das Kreuz ist ja immer die große Glaubensprüfung. Glauben: das fällt uns einfach, wenn alles glatt geht, wenn wir zusammen mit anderen unseren Glauben leben. Aber wenn das Kreuz kommt, dann wird es oft unendlich schwer. Und so können wir in diesen Stunden einfach ganz schlicht - zusammen mit Maria – beten: „Jesus, ich will bei dir bleiben. Auch wenn es schwer ist, ich will an dir festhalten.“ 3. In der Stunde des Kreuzes und des Leidens gibt es keine großen Worte mehr. Leiden und Schweigen – da gibt es einen Zusammenhang. Stellen wir uns das vor: die Blick Mariens in die Augen ihres sterbenden Sohnes, der auch jetzt nichts anderes kann als zu lieben, auch und gerade seine Peiniger, die, die ihn verspotten und die, die ihn gefoltert haben. Jesu Blick: der Blick einer unendlichen Liebe. Und das hat Maria – neben all dem Schmerz auch sicherlich gespürt: dass in dieser Liebe letztlich doch alles ausgesagt ist über die ganze Welt. Versuchen wir, immer wieder in die Schule der Gottesmutter zu gehen. Richten auch wir unseren Blick hin zu unserem Erlöser am Kreuz. „Drücke deines Sohnes Wunden, wie du selber sie empfunden heil’ge Mutter, in mein Herz.“ So heißt es in der Strophe eines alten Liedes zum Gedenktag der Schmerzen Mariens. Alles Betrachten der Leiden Christi wie auch der Schmerzen seiner Mutter soll letztlich unser Herz umgestalten, umformen. Christus ist aus Liebe für uns gestorben und wenn wir einwilligen, dass wir ganz und immer mehr in Christus sein wollen, dann heißt das, dass wir immer mehr und alles in Liebe verwandeln sollen. Uns ist aufgetragen, unser tägliches Kreuz zu tragen. Das sieht für jeden ganz anders aus. Verdrängen wir nicht unser Kreuz und Leiden; umarmen wir es und überlassen dann alle Weshalbs und Warums Gott und auch zu wessen Heil wir dieses Kreuz tragen. In diesem Sinn soll uns auch das Tagesgebet des 15.September ermutigen und einladen: „Allmächtiger Gott, du hast der Mutter Jesu die Kraft verliehen, unter dem Kreuz zu stehen und das Leiden ihres Sohnes zu teilen. Hilf uns, täglich unser Kreuz anzunehmen, damit wir auch an der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus teilhaben, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.“

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Im September ist es ein Jahr her, dass unser Heiliger Vater seine Apostolische Reise in der Tschechischen Republik begangen hat. Hier ein Auszug aus dem Grußwort des Heiligen Vaters, Papst Benedikt XVI., anlässlich seines Besuches beim „Prager Jesulein“ (Kirche St. Maria „vom Siege“ in Prag am 26.9.2009):

… „ Das Standbild des Jesuskindes läßt uns sogleich an das Geheimnis der Menschwerdung denken, an den Allmächtigen Gott, der Mensch geworden ist und 30 Jahre in der einfachen Familie von Nazaret gelebt hat, wo ihn die Vorsehung der aufmerksamen Fürsorge von Maria und Josef anvertraut hat. Die Gedanken gehen auch zu euren Familien und zu allen Familien der Welt, zu ihren Freuden und ihren Schwierigkeiten. Mit diesem Gedanken verbinden wir das Gebet und erbitten vom Jesuskind für alle Familien die Gabe der Einheit und der Herzensnähe. Besonders denken wir an jene jungen Familien, die so große Anstrengungen unternehmen müssen, um ihren Kindern Sicherheit und eine würdige Zukunft zu geben. Beten wir für die Familien in Schwierigkeiten, die von Krankheit und Leid geprüft werden, für diejenigen, die durch eine Krise gehen, die aufgrund von Streit und Untreue uneinig oder zerrissen sind. Sie alle vertrauen wir dem Prager Jesulein an, wohlwissend, wie wichtig die Stabilität und die Einheit der Familien für den wahren Fortschritt der Gesellschaft und die Zukunft der Menschheit ist.

Die Figur des Jesuskindes läßt uns mit der Zartheit seiner Kindlichkeit auch die Nähe Gottes und seine Liebe verspüren. Wir verstehen, wie kostbar wir in seinen Augen sind, denn gerade durch Jesus sind wir unsererseits Kinder Gottes geworden. Jeder Mensch ist Kind Gottes und darum unser Bruder, und als solcher muß er angenommen und geachtet werden. Möge unsere Gesellschaft doch diese Wirklichkeit verstehen! Dann würde jeder Mensch nicht für das geachtet, was er hat, sondern für das, was er ist, denn im Antlitz eines jeden Menschen scheint ohne Unterschied der Rasse oder der Kultur das Bild Gottes auf.“…