Informationsblatt der Blauen Gebetsoase
in Sievernich
Geistlicher Impuls
Mit Sicherheit ist vielen die „Weihe an Christus
durch Maria“ bekannt und bestimmt haben viele
diese Weihe bereits gemacht oder bereiten sich
z.Zt. darauf vor. Betrachten wir einige Aspekte
dazu: Zunächst der Text (es gibt verschiedene
Varianten) dieses großen Weihegebets:
erwähle ich dich heute, o Maria,
zu meiner Mutter und Königin.
Dir weihe und schenke ich
als dein Gut und Eigentum
meinen Leib und meine Seele,
all meinen äußeren und inneren Besitz,
ja selbst den Wert all meiner guten Werke,
der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen.
Ganz und voll, ohne jede Ausnahme,
sollst du das Recht haben,
über mich und all das Meine
nach deinem Gutdünken zu verfügen,
in Zeit und Ewigkeit,
zur größeren Ehre Gottes
Amen.“
Die Worte dieses großen Weihegebetes gehen
zurück auf den Hl. Ludwig Maria Grignion de
Montfort. Geboren wurde der Hl. Ludwig am
31.1.1673 in Montfort-sur-Meu In Frankreich. Er
empfing 1700 die Priesterweihe und er gründete
einmal die „Montfortaner“ („Gesellschaft Mariens“)
und die Montfortschwestern, die sich ab 1715 im
Bereich der Krankenpflege, Schule und der Armenfürsorge
einsetzten. Noch heute gibt es sowohl
die Schwesterngemeinschaft als auch die
Priester- und Laienbrüdergemeinschaft der Montfortaner.
Gestorben ist der Hl. Ludwig Maria
Grignion de Montfort am 28. April 1716 in St-
Laurent-sur -Sèvre in Frankreich.
Zunächst ist zu fragen, was eigentlich eine „Weihe“
ist. Wenn Gegenstände und Personen geweiht
werden, dann gehören sie nicht mehr dem
profanen Bereich an. „Weihe“ bedeutet immer
Übergabe an Gott. Die grundlegende Weihe ist
die Taufe. Letztlich bedeutet die Taufe ja, dass
wir ganz Gott gehören, Jesus Christus, der für
uns durch Tod und Auferstehung gegangen ist.
Ihm, seinem heiligen Leib gehören wir an. „Weihe“,
das geht auch nur gegenüber oder an Gott.
Und so ist es etwas irreführend bei dem Weihegebet
des Ludwig Maria Grignion von einer „Marienweihe“
zu sprechen. Es handelt sich hier -
richtig gesprochen - um eine „Weihe an Christus
durch Maria“.
Dennoch ist es gut und geistlich sinnvoll, sich bei
dieser Weihe an Christus der Gottesmutter anzuvertrauen
und sie dabei anzureden. An ihr nämlich,
wie an keinem anderen Menschen sonst,
wird deutlich, dass die Grundregel unseres Lebens,
der Weg zum Heil über die Hingabe führt.
Letztlich scheuen wir uns ja immer wieder vor
dieser Ganzhingabe an Gott. Dies, weil wir befürchten,
Gott würde alles möglich von uns abverlangen.
Maria ist diejenige, die uns hilft, dass wir
uns ganz in die Arme des Vaters geben können.
Wir können also sagen: Dass, wenn wir uns gut
vorbereiten auf die „Weihe an Christus durch Maria“,
dass eigentlich das noch einmal neu ausgesagt
ist, was wir in der Taufe empfangen haben.
Am Anfang der Weihe steht das bewusste Erwählen
Marias zu unserer Mutter und Königin. Es
bedeutet, wenn wir das tun, dass wir uns ganz in
die Obhut unserer himmlischen Mutter begeben.
Sie soll jetzt und immer unsere unsichtbare Mutter
sein; gerade auch dann, wenn wir uns von
ihrem Sohn entfernt haben oder wir von Kummer
und Leid heimgesucht werden. Und Maria soll
unsere Königin sein. Königin, das heißt, dass sie
Herrschaft und Macht hat – und beides soll sie
auch über uns und unser Leben haben. „Dir weihen
und schenken wir in ganzer Hingabe und
Liebe unseren Leib und unsere Seele, all unseren
äußeren und inneren Besitz und selbst den Werk
unserer guten Werke, der vergangenen, gegenwärtigen
und zukünftigen.“ Das sind sehr große
Worte, die einem vielleicht nicht so einfach über
die Lippen kommen. Wir sind eingeladen, alles ihr
zu übergeben! Materielles, Irdisches, auch Personen,
alles, was uns so umtreibt Tag für Tag und
auch alles, was den unsichtbaren Bereich unseres
Lebens, z.B. unsere Gefühle, betrifft, aber v.a.
auch unsere Seele. Alles soll Maria anvertraut
werden. Schließlich auch unsere guten Werke,
die gegenwärtigen, vergangenen und auch die,
die noch kommen werden. Vielleicht ist das die
Einladung, wirklich dem Herrn der Ernte, dem
himmlischen Vater, alles zu überlassen. Ich selbst
muss nicht beurteilen, ob etwas in meinem Leben
gut und richtig gewesen ist. Wir sollen uns mit
ganzer Hingabe und Liebe für Gott und den
Nächsten einsetzen, aber ob und wie es – auch in
den Augen Gottes – Frucht bringt, das sei Gott
selbst überlassen. Wir geben dann , so weiter in
dem Text, Maria unser Einverständnis, dass sie
über all das verfügen kann „in Zeit und Ewigkeit
zur größeren Ehre Gottes“. Die Frage, die sich
stellt, ist die: kann ich jemals voll und ganz dieses
große Weihegebet sprechen? Kann ich das überhaupt,
mich restlos ganz Christus – durch Maria –
überlassen? Vor einigen Jahren wurde in einem
Vortrag folgendes dazu gesagt: Das Gute an dieser
Weihe sei auch dies: wenn wir sie durch Maria
machen, dann ist es Maria selbst, die unser
Ungenügen und Unvermögen sozusagen ergänzt
– und zwar durch ihr vollkommenes „Ja“. Vielleicht
haben wir in diesen Sommerwochen etwas
Zeit und innere Ruhe, um uns eventuell – hinblickend
etwa auf ein Marienfest im August oder
September frei nach Wahl – innerlich vorzubereiten,
um in aller Stille einmal diese große und
schöne „Weihe an Christus durch Maria“ vollziehen
zu können. Folgende beiden Botschaften an
M. Strack mögen uns dazu ebenso ermutigen:
„Schenkt euch Jesus ganz!“ (15.10.2001) und:
„Mit mir, Kinder, könnt ihr alles bewältigen,
wenn ihr euch ganz meinem Sohn Jesus
schenkt.“ (13.05.2002).
Es ist nur einige Wochen her, dass am 11. Juni
2010 in Rom das Priesterjahr zu Ende gegangen
ist. Sicherlich – neben ganz vielen guten geistlichen
Akzenten und Früchten - sind viele immer
noch immer noch erschüttert darüber, dass in
diesem Priesterjahr manche schuldhaften Verhaltensweisen
von fehlbaren Menschen (nicht
nur Priestern) ans Licht kamen, die der ganzen
Kirche schmerzhafte Wunden zugefügt haben.
An dieser Stelle sei erneut eingeladen, weiterhin
für die Priester zu beten. Abgedruckt ist von
daher das „Gebet für das Priesterjahr“ aus dem
Jahr 2009 von Papst Benedikt XVI:
Herr Jesus Christus, du hast der Kirche im heiligen
Jean-Marie Vianney ein bewegendes Ebenbild
deiner pastorale Fürsorge schenken wollen.
Hilf uns, dieses Priesterjahr an seiner Seite und
durch sein Beispiel ermutigt in Fülle zu leben.
Laß uns, wie er, froh vor deiner Eucharistie verweilen
und dabei erkennen, wie einfach das Wort
ist, in dessen Schule wir gehen und auf welche
Weise es uns täglich unterrichtet; wie zärtlich die
Liebe ist, mit der du die reuigen Sünder aufnimmst;
wie tröstend es ist, sich der seligsten
Jungfrau Maria anzuvertrauen.
Herr Jesus Christus, laß auf die Fürsprache des
heiligen Pfarrers von Ars die christlichen Familien
zu „kleinen Kirchen“ werden, in denen alle Berufungen
und alle Charismen, die der Heilige Geist
in sie hineinlegt, Aufnahme finden und gewürdigt
werden.
Herr Jesus Christus, laß uns mit solch brennenden
Eifer wie der heilige Pfarrer von Ars die Worte
wiederholen, mit denen er sich an dich zu wenden
pflegte:
„Mein Gott, ich liebe dich, und mein einziger Wunsch
ist es, dich bis zu meinem letzten Atemzug zu lieben.
Ich liebe dich, o du unendlich liebenswerter Gott,
und ich sterbe lieber in deiner Liebe,
als auch nur einen Augenblick ohne sie zu leben.
Herr, ich liebe dich, und die einzige Gnade, um die
ich dich bitte,
ist, dich ewig lieben zu dürfen.
Mein Gott, da ich dir mit meiner Zunge
nicht unaufhörlich sagen kann, daß ich dich liebe,
will ich, daß es dir mein Herz so oft wiederholt,
wie ich atme.
Ich liebe dich, mein göttlicher Erlöser,
denn du wurdest für mich gekreuzigt,
und hältst mich hier unten fest, gekreuzigt mit dir.
Mein Gott, schenke mir die Gnade, in deiner Liebe
und in der Gewißheit, daß ich dich liebe, zu sterben.“
Amen.